Neues Institutionskonzept

Stell dir vor, die Kirchen des Westens stecken ihr Vermögen nicht länger in Gebäude, Strukturen und Hierarchien, sondern in offene, nicht-kommerzielle Gemeinschaftsräume. Nicht fürs Image. Nicht für Rendite. Einfach, um Nähe wieder normal zu machen.

Keine Hochglanzprojekte. Keine Wirtschaftlichkeitslogik. Einfach Menschen zusammenbringen.

Dann würde etwas passieren, das unsere Gesellschaft dringend braucht: soziale Nähe als Standard. Nicht organisiert von Algorithmen, sondern durch körperliche Anwesenheit. Menschen würden sich wieder sehen, hören, aushalten.

Europa leidet nicht an zu wenig Innovation, sondern an sozialer Erosion: Vereinsamung, Misstrauen, Polarisierung. Das entsteht dort, wo gemeinsame Räume fehlen.

Kirchen hätten alles, was es braucht: Geld, Immobilien, Erfahrung im Organisieren, Legitimation über Generationen. Historisch waren sie genau dafür da: Gemeinschaft stiften, Sinn geben, Übergänge begleiten.

Der Preis: Machtverlust. Weniger Kontrolle, weniger Deutungshoheit, weniger institutionelle Sicherheit. Der Gewinn: Relevanz – für Menschen, die mit Religion wenig anfangen, aber mit Gemeinschaft sehr viel.

Das eigentliche Problem ist nicht fehlendes Geld, sondern die Angst vor Bedeutungsverlust. Genau diese Angst lässt Bedeutung schwinden.

Wenn Kirche wieder Funktion statt Institution wird, verliert sie vielleicht ihre alte Form, gewinnt aber ihren ursprünglichen Zweck zurück. Vielleicht reicht ein Ort, eine Region, eine Stadt – als Beweis, dass soziale Investition Infrastruktur ist, keine Romantik.